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Farbenzauber in der Dämmerung DAS PURPURLICHTDas Purpurlicht - eine kurze EinführungHinweise zur BeobachtungLinks und Literatur zum ThemaBerichte, Fotos und VideosAKM-Forum für atmospärische Erscheinungen (externe Seite) |
Das Purpurlicht - eine kurze Einführung
Das Purpurlicht ist eine nicht regelmäßig, aber recht häufig auftretenden Dämmerungserscheinung. Es macht sich typischerweise oberhalb des Sonnenuntergangspunktes bemerkbar, wenn die Sonne zwischen etwa 3 und 6 Grad unter dem Horizont steht, also in der zweiten Hälfte der Bürgerlichen Dämmerung. Dann ist die Sonne nicht nur am Erdboden, sondern auch in der oberen Troposphäre bereits untergegangen. In der darüberliegenden Stratosphäre wird das rötliche Licht der tiefstehenden Sonne an Aerosolen gestreut. Da deren Konzentration außerordentlich gering ist, schimmert der blaue Himmelshintergrund* durch, weshalb der Dämmerungshimmel einen purpurnen Farbton annimmt. Dieser ist meist so schwach ausgeprägt, dass er einem zufälligen Beobachter kaum auffällt. Als Quellen der stratosphärischen Aerosole - oft handelt es sich um Schwefelsäure-Tröpchen - kommen z.B. großflächige Buschbrände und Brandrodungen sowie Vulkanausbrüche oder auch Abgase hoch fliegender Flugzeuge in Frage.
In den Tropen, wo die Troposphäre bis in Höhen von gut 15 km reicht, dürfte Lichtstreuung an hoher und sehr dünner Bewölkung (Subvisuelle Zirren) für viele Purpurlichter verantwortlich sein. Da zudem in diesen Regionen zudem natürliche oder gelegte Buschbrände verbreitet auftreten, verwundert es nicht, dass das Purprulicht in äquatornahen Regionen oft sehr kräftig in Erscheinung tritt. Volcanic Sunsets
Die Eruption des Krakatau am 27.08.1883 zählt zu den gewaltigsten Vulkanausbrüchen der letzten 1000 Jahren. Binnen kurzer Zeit wurden etwa 18 Kubikkilometer Asche ausgeworfen. Die Eruptionssäule erreichte eine Höhe von 80 km, wodurch es zu einem massiven Aerosoleintrag in die Hochatmosphäre der Erde kam. Die weltweit sichtbare Folge waren außergewöhnlich farbenprächtige Dämmerungserscheinungen (im Englischen als "Volcanic Sunsets" bezeichnet), die über mehrere Jahre anhielten. Im geringerem Maße wiederholten sich diese Dämmerungsanomalien bei anderen Vulkanausbrüchen, so z.B. denen des Agung (1963), des Mt. St. Helens (1980) oder des Pinatubo (1991). In den Jahren 2008, 2009 und 2011 konnten nach den Eruptionen des Kasatochi (Aleuten), des Sarychev (Kamtschatka) und des Nabro (Erithrea) auf der Nordhalbkugel jeweils für mehrere Monate auffällige Purpurlichter beobachtet werden.
Polare Stratosphärische Wolken
In etwa 25 km Höhe befindet sich eine permanente Aerosol-Schicht, die sog. Junge-Schicht. Bei sehr niedrigen Temperaturen von unter -78°C, wie sie nur im Winterhalbjahr in hohen geografischen Breiten auftreten, kondensieren in dieser Schicht Wolken aus Schwefel- und Salpetersäure aus, welche als Polare Stratosphärische Wolken (Engl. Abk.: PSC) bezeichnet werden. Da sie eine entscheidende Rolle beim Ozonabbau spielen, sind sie Gegenstand intensiver Forschung. Sehr selten - so im Februar 2008 und im Januar 2010 - können sich PSC auch weiter südlich, z.B. über England und Deutschland bilden. In erstgenannten Fall wurden die PSC zunächst dadurch bemerkt, dass sie ein hell leuchtendes Purpurlicht hervorbrachten, welches an Intensität die meisten "Volcanic Sunsets" bei weitem übertraf. Die Abenddämmerung am 18.02.2008 war eine der eindruckvollsten Himmelserscheinungen der letzten Jahre. Zeitweilig hatte man den Eindruck, sich im Inneren einer Leuchtstoffröhre zu befinden. Das rötliche Himmelsglühen hielt viel länger an als ein normales Purpurlicht, wurde z.T. noch beobachtet, als die Sonne bereits tiefer als 10 Grad unter dem Horizont stand. Vermutlich spielte dabei mehrfache Streuung des Sonnenlichts in den Erdschatten hinein eine Rolle. Dass dies prinzipiell möglich ist, zeigte sich am 06.12.2002, als es mitten in der Polarnacht über Svalbard fast taghell wurde. Dieses geradezu gespenstisch anmutende Phänomen (Red-Sky Event) wurde dadurch verursacht, dass Sonnenlicht durch mehrfache Reflektion und Streuung an PSC über mehrere hundert Kilometern Entfernung in den Erdschatten gestreut wurde. SaharastaubVulkanogenen Aerosolen und PSC sind offenbar nicht die einzigen Ursachen intensiven Purpurlichts. Beobachtungen im November 2009 legen nahe, dass Saharastaub, der mit Höhenwinden nach Mitteleuropa verfrachtet wird, ähnliche Effekte hervorbringen kann. Freilich entstand das Purpurlicht in diesem Fall recht geringer Höhe, nämlich in nur etwa 11 km. |
Beobachtung von PurpurlichternNicht erst beim Krakatauausbruch, sondern bereits nach den beiden anderen großen Eruptionen der Neuzeit (Laki 1783 und Tambora 1816) war über Dämmerungsanomalien berichtet worden. Auch im 20. Jahrhundert wurde in Fachzeitschriften immer wieder über intensive Dämmerungsfarben nach Vulkanausbrüchen geschrieben. Eine flächendeckende Erfassung von Purpurlichtern gab es jedoch nicht. Dies hat sich im Internet-Zeitalter zunächt nicht geändert, da seit Anfang der 90er-Jahre (Pinatubo-Ausbruch) keine nennenswerten Purpurlichter gegeben hatte. Erst durch das PSC-Event im Februar 2008 und die "Volcanic Sunsets" ab Sommer 2008 ist das Phänomen der farbigen Dämmerungsanomalien wieder ins Bewusstsein der Beobachter gerückt. Inzwischen wird im AKM-Forum regelmäßig über ungewöhnliche Dämmerungserscheinungen berichtet und diskutiert.
Das Purpurlicht ist eine großflächige Himmelserscheinung, die man sinnvoller Weise mit bloßem Auge beobachtet. Ein Fernglas kann allerdings hilfreich sein, um eventuelle Strukturen in den auslösenden Aerosolwolken zu identifizieren.
Schwaches Purpurlicht kann jederzeit auftreten; wer öfters in der Dämmerung draußen ist, wird es früher oder später sicherlich einmal sehen. Wirklich auffällige Purpurlichter sind allerdings selten. Andererseits ist ihr Auftreten wie oben erläutert an spezifische Umstände gebunden und damit zumindest tendenziell vorhersagbar. So kann man sich beim SKIRON informieren, ob Saharastaub nach Mitteleuropa geweht wird. Die University of Wyoming bietet ein Tool an, mit dem man Karten der Temperaturverteilung in der Stratosphäre erstellen kann. Wenn die Temperatur auf dem 30 hPa- Niveau unter -78°C sinkt, muss mit dem Auftreten von PSC und damit auch mit Dämmerungsanomalien gerechnet werden. Falls größere Mengen vulkanischer Aerosole in der Atmosphäre sind, sollte man dies auf den Karten des GOME-2 Near-Real-Time Service erkennen. Sobald eine Situation eintritt, welche zur Ausbildung intensiver Purpurlichter führen kann, wird dies wahrscheinlich auch im AKM-Forum diskutiert werden. |
Links und Literatur zum ThemaInfos zum PurpurlichtKurzer Artikel in der deutschen Wikipedia Ebenfalls kurzer Beitrag in der englischen Wikipedia Sehr gute Erläuterung der Entstehung bei GeoDZ.com Christian Pinter: Abenteuer im Erdschatten Alexander Wünsche: Dämmerungserscheinungen Fred Sigernes: The Mysterious Red Sky on 6 December 2002 Historische Zeichnung eines Purpurlichts mit Dämmerungsstrahlen Fotos des PurpurlichtsAKM e.V. - Bildarchive: Purpurlicht Spaceweather.com - Volcanic Sunsets Photo Gallery: Kasatochi 2008 Spaceweather.com - Volcanic Sunsets Photo Gallery: Sarychev Peak 2009 AKM Forum (Purpurlichter im Februar 2008) Wetteronline.de (Purpurlichter im Februar 2008) Wetterradio.de (Purpurlichter im Februar 2008) LiteraturAlbers, Bernt (1973): Atmospärisch-optische Erscheinungen. SuW 3/1973, 137-142. Heuseler, Holger (1964): Ungewöhnliche Dämmerungsphänomene auch auf der Nordhalbkugel. Sterne und Weltraum 1964/12, 288. Hinz, Claudia (2009): Ungewöhnliche Dämmerungsfarben durch Vulkanasche. VdS-Journal Nr. 30, 55-58. Hinz, Claudia (2010): Erneut Vulkanaerosolwolken über Mitteleuropa. VdS-Journal Nr. 33, 82-86. Hinz, Claudia (2011): Ungewöhnliche Dämmerungen nach Vulkanausbruch in Äthiopien. Meteoros 14 (11), 261-265. Hinz, Claudia (2012): Dämmerung. VdS-Journal Nr. 41, 27-30. Janzing, Erich (1964): Der Göttervulkan und die Mondfinsternis vom 25. Juni 1964. Sterne und Weltraum 1964/10, 238-239. Kadlcik, Mario (1997): Tunguska und das Purpurleuchten 1899-1913. SuW 11/1997, 931. Kerola, Dana X. & Timmermann, Ralf (1992): Atmosphärische Phänomene nach dem Ausbruch des Mt. Pinatubo. SuW 5/1992, 310-311. Krämer, Peter & Hinz, Claudia (2008): Polare Stratosphärische Wolken über Mitteleuropa. VdS-Journal Nr. 27, 67-70. Lee Jr., R.L. & Hernández-Andrés (2003): Measuring and modeling twilight’s purple light . Applied Optics 42 (3), 445-457. (Download als pdf, 1.8 mb) Pilz, Uwe (2011): Welche Erscheinungen kann man in der Dämmerung beobachten? Interstellarum 76, 50-51. Sigernes, Fred (2006): Red winter light: a mysterious red December sky over Svalbard. In: Arctic Lights, 41-46. Tromsø 2006. ISSN 0030-6703. Steinbrecht, W., Köhler, U. & Claude, H. (2009): Vulkanaerosol vom Nordpazifik umrundet die Erde. Ozonbulletin des DWD Nr. 124 vom 31.07.2009, 1-2. (Download als pdf, 698 kb) Stentzel, A. (1916a): Die neue Dämmerungsanomalie. Zweite Mitteilung. Astronomische Nachrichten 203, 139 – 144. (Download als pdf, 636 kb) Stentzel, A. (1916b): Die neue Dämmerungsanomalie. Zweite Mitteilung. Astronomische Nachrichten 203, 223 – 232. (Download als pdf, 1.2 mb) Stentzel, A. (1917): Die große Dämmerungsanomalie 1916-17. Astronomische Nachrichten 204, 267 – 269. (Download als pdf, 959 kb) |